Zeitschriftenverleger für Debatte über Privatisierung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens – Kampagne gegen Gebührenfinanzierung

images_thumb  Warum denken wir nicht an eine Privatisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nach, fragt der Geschäftsführer des Verbandes der Zeitschriftenverlager (VDZ), Wolfgang Fürstner, in einem Interview mit der WELT, verpackt unter dem Thema Grundversorgungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Vordergründig geht es um die sogenannten Apps, also Programme auf mobilen Telefonen. Faktisch wollen – wie üblich – die Verleger das System der Fernsehfinanzierung öffentlich zur Debatte stellen. In diesem Jahr wird erneut über die Gebührenfinanzierung auf Ebene der Politik verhandelt und da nutzt man seine Publikationsmacht, um mit seinen falschen Behauptungen ARD und ZDF zu diskreditieren.

Nach Auffassung von W. Fürstner habe das Internet das Geschäftsmodell der Verlage auf den Kopf gestellt. Als Beleg führt er den Rückgang der Anzeigenumsätze um 40 Prozent an. Die Wirklichkeit stellt sich mir so dar: Die Brutto- und Nettowerbe-Umsätze bewegten sich bis 2008 auf dem Niveau wie vor fünf oder sechs Jahren. 2008/2009 ist die Bundesrepublik von einer Rezession heimgesucht worden, die Folgen für das Werbeverhalten der Wirtschaft hat. Die konjunkturelle Situation als Beleg für grundlegenden Wandel heranzuziehen ist ein schlechtes Argument. Der VDZ informierte am 5. Januar 2010 über die Entwicklung der Anzeigenumfänge: "Pünktlich zu Beginn des neuen Jahres liegt die Jahresauswertung der VDZ-Anzeigenstatistik für das gerade abgelaufene Jahr 2009 vor. Die Publikumszeitschriften schließen das Jahr 2009 mit -16,4 Prozent weniger Anzeigenseiten als im Vorjahr ab." Die Zeitschriftenverleger sind es, die in der Rezession 2008/2009 hunderte von Arbeitsplätzen in den Verlagen abgebaut haben. Dies tun sie nicht mit Blick auf den Wandel, sondern mit Blick auf die Bilanzen 2009 und 2010. Im letzten Jahr mussten verschiedene Titel verschwinden, wurden ganze Zeitschriftenpakete zum Kauf angeboten. Als wenn eine Rezession etwas völlig neues ist, denken die Publikumsverlage jetzt darüber nach, wie sie weniger abhängig von den Anzeigenmärkten sein könnten. Hier wurden Hausaufgaben nicht gemacht. In den Wandel wird investiert – aber erst, wenn die Hütte in Form von Ergebnisrückgang brennt.

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