Von wegen der Konzentration auf das Lokale – HAN in Hamburg wird eingestellt

1369984592Die regionale Abo-Zeitung, die Harburger Nachrichten und Anzeigen (HAN), soll zum 30. September 2013 eingestellt werden. Es handelt sich dabei um die älteste Zeitung Hamburgs. 32 Arbeitnehmer/innen sind von dieser Einstellungsentscheidung betroffen. Die Abo-Auflage der HAN lag im I. Quartal 2013 bei 10.965 verkauften Exemplare, im Einzelverkauf waren es 771.

Man muss vermutlich auf die beiden Hauptgesellschafter Axel Springer und die Verlagsgruppe Madsack sehen.

Madsack hatte 2009 im Prinzip alle regionalen Tageszeitungen von der Axel Springer AG gekauft bzw. Anteile übernommen, davon betroffen auch die HAN. Lediglich das Hamburger Abendblatt und die Berliner Zeitungsaktivitäten blieben im Eigenbesitz. An der HAN hielt Axel Springer weiterhin seine Minderheiten-Beteiligung, aber die größten Anteile wurden über die Hanseatische Verlags-Beteiligung gehalten, die zu 75 Prozent an Madsack ging.

In der Gesamtstrategie von Axel Springer und der Verlagsgruppe Madsack war offenbar kein Platz für ein publizistisches Produkt einer Heimatzeitung in einer Metropolregion. Die kommende Einstellung, das ist auch ein Schlag in das Gesicht des gesamten Lokaljournalismus, zeigen doch die großen Verlage, dass sie die Region nicht unter publizistischen Aspekten interessiert, anders als ihr Geschrei. Was soll man von dem HNA-Gesellschafter Axel Springer halten, wenn man folgendes aus dem Munde des Abendblatt-Chefredakteurs Lars Haider liest: „Regionalen Medien sagt ich eine gute Zukunft voraus: Ich kann mir vorstellen, dass sich Regionalzeitungen künftig ausschließlich auf ihre Region konzentrieren.“

Die Verlagsgruppe Madsack hat eine lokale bzw. regionale Ausrichtung ihrer Zeitungen, hier spricht man auch gerne von Heimatzeitungen. Der Einstellungsbeschluss auch ein Zeichen, dass Madsack sich nicht dem Wettbewerb in dieser Gebiet stellt und es einfach den anderen Zeitungsunternehmen mit ihren verschiedenen Produkten überlässt. Wir übersehen nicht: Das Hamburger Abendblatt hat mit seiner neuen, täglichen Beilage „Der Harburger“ seinen Beitrag dazu geleistet, dass eure Luft geworden ist.

Natürlich wird über die digitalen Herausforderungen der Zeitungen geredet, in einigen Verlagsstäben wird sogar vom Ende des Printjournalismus gesprochen. Teilweise werden große finanzielle Mittel für eine „Digitalstrategie“ ausgegeben, für den Aufkauf von Internet-Unternehmen, manchmal sogar mediennah etwas anbieten, ob nun als Immobilien- oder Stellenmarkt. Es sind die Verlage gewesen, die den digitalen Wandel verschlafen haben, es sind die Verlage, die bis heute keine seriöse Antwort auf die Herausforderung haben, wie dieser Wandel gemeinsam mit dem Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen gestaltet werden kann. Sie kommen unter Handlungsdruck.

Die Verlage sprechen von einer Zeitungskrise. Auf diesen Zug muss man nicht aufspringen. Es ist die Krise ihrer Rendite, die sie zu solchen Maßnahmen wie bei euch treibt – die im Übrigen verschiedene Ursachen hat und nicht allein im Gattungswandel zu sehen ist. Bereits in den 1980er Jahre wurde der Werbeumsatz der Zeitungen durch den privaten Rundfunk halbiert. Die Verlage sind in die Sender eingestiegen und fahren heute ein nettes Polster „Beteiligungsergebnis“ ein. Bundesweit haben sich mit ProSiebenSat1 und rtl Group international agierenden Gruppen herausgebildet, der Wandel seinerzeit wurde gestaltet – nicht zum Nachteil der Rendite von Mediengruppen.

Die HAN ist ein Teil der Hamburger Medienlandschaft, sie ist die älteste Zeitung unserer Stadt, sie ist aber auch Arbeitsplatz für Journalistinnen und Journalisten, die mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und der Zusammenarbeit einen Beitrag zur Meinungsvielfalt leisten. Ihr recherchiert, eure Texte werden publizieren, führen zu einer Debatte in der (regionalen) Öffentlichkeit, dies ist doch der Sinn und Zweck der Journalismus. Das soll künftig nicht mehr sein? Was sind das für Verleger?

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