Neustart in Hamburg heißt weniger Seiten, weniger Redakteure …

Kopfschüttelnd muss man in der Ankündigung der Geschäftsleitung lesen, was die Begründung für den geplanten Personalabbau ist: Es geht um einen Neustart in eine neue Ära der MOPO, sie beginnt mit dem Rauswurf von Arbeitnehmer und beginnt mit dem Umzug in die Barnerstraße 14. „Der Umzug des Verlages in Hamburg in ein neues Gebäude mit moderner Infrastruktur soll zum einen die logistische, organisatorische und technische Basis für den Aufbau eines kompakten, digitalgetriebenen Newsroom schaffen und zugleich en Symbol der Erneuerung des Verlages werden.” Das publizistische Konzept soll den Markenkern stärken, „in dem der … Anspruch in Richtung mehr Haltung, mehr Meinung, mehr Hamburg ausgebaut werden. Die Ressorts Hamburg und Sport bilden den Kern der Zeitung und hierauf soll sich künftig noch stärker fokussiert werden.”

Was wird der Umzug mit sich bringen?
Mit dem Einzug in die Barnerstraße 14 gibt es keine Politik-Redaktion mehr in den neuen Räumen. Das Layout soll um vier Kollegen weniger in der neuen Adresse arbeiten, in der Lokalredaktion sind fünf weniger und es werden noch weitere Kündigungen vollzogen werden, so unsere Meinung. Die Sportredaktion soll ohne nur noch acht Redakteure zählen. So fragwürdig, wie die Chefredaktion die Stellenrasur in der Redaktion geplant hat, so gehen wir davon aus, dass sie ähnlich an den Umzug herangehen wird oder wie aktuell, nicht die Haltung aufbringt, für Ihre Redaktion zu kämpfen. Wir alle haben sie am 23. August stehen sehen.

Ganze Redaktion in einem Großraum und rotierende Arbeitszeiten
Für die Redaktion soll ein einziges Großraumbüro geschaffen werden. Unsere bisherigen Onliner werden Teil der neuen Redaktionsorganisation vermutlich im Hamburg-Bereich sein. Dazu kommen noch die Produktion von Print und den täglichen Newsleader an einem Newsdesk sowie die Räume für die Chefs, so unsere Vermutung. Bisher ist die Darstellung der Chefredaktion immer wieder, dass man die bisherige Form der Schichten in den Redaktionen abschafft und flexibilisiert (“agil”), bis hin zu täglich rotierenden Anfangszeiten. Der bisherige Spätdienst, den die Politik für die Printausgabe übernommen hatte, wandert in das verbleibende Redaktionsteam. Künftig dürfte es weitere auf besondere Zielgruppen ausrichtete Digitalprodukte geben, so dass die redaktionellen Herausforderungen in der Tendenz wachsen werden. Der Umfang der Seiten des Printprodukts wird im Durchschnitt auf 43 Seiten reduziert werden.

Technische Herausforderungen
Neben den zeitlichen und personellen Bedingungen werden auch noch technische Herausforderungen auf die Redaktion zu kommen. DuMont hat von seiner bisherigen Lösung, zwischen den sich eher nicht verstehenden beiden Systemen (NGen-Pint und Core Media – Online), eine Art SuperSuper-Datenbank zu bauen, erst einmal Abstand genommen. Man will erreichen, dass Online künftig nur noch aus NGen heraus geschrieben und produziert wird. NGen ist ein mittelmäßiges Printproduktionssystem, aber nicht für die Digitale Welt geschrieben. Die MOPO ist der Pilot für das Projekt eines sogenannten “Digitaler Artikels” auf NGen: Was heute auf dem Online-Produktionssystem den Texten beigefügt bzw. verändert wird, dass soll von den Redakteuren auf NGen erledigt werden. Geht es nach DuMont, werden fast alle nur noch mit Headset telefonieren. Telefonapparate sollen abgeschafft werden, wenigstens ist das die Ansage in Berlin zur neuen Telefon-Technik, die natürlich wie immer bei DuMont das Beste ist …

Parkplätze, Fahrrad-Stellplätze u.a.
Wir unterstellen, dass die Barnerstr.14 das einzige Objekt ist, das Gegenstand eines Umzugs ist. Für das neue Gelände bestehen 98 Parkplätze. Da es weitere gewerbliche Mieter auch in den Stockwerken 2. bis 4. geben dürfte, muss dieses Problem angegangen werden. Die Lage des neuen Standorts wird mehr als in der Griegstraße für die PKW-Fahrer ein Problem bedeuten. Es muss Transparenz und Gleichbehandlung bei der Vergabe der PKW-Plätze gewährleistet werden. Wir sind dafür, dass es künftig eine Pauschale zur Förderung der Mobilität gibt und das HVV-Abo durch das Unternehmen weiter subventioniert wird. Die Erfahrung in der Griegstraße für Fahrradfahrer/innen ist, dass ein Stellplatz-Angebot alleine nicht reicht. Die diversen Diebstähle bedeuten, dass es verschließbare Fahrradständer geben sollte.

Unsere bisherige Essenversorgung ist differenziert und wird bzw. wurde durch uns selber organisiert. Für die Mehrheit stellt die Kantine von SAM/Wätisla eine günstige und nahe Mittagsversorgung da. Wir sind dafür, dass es künftig eine Essengeldpauschale wie in Berlin von 170 € gibt. Das wäre darüber hinaus endlich mal eine respektvolle Tat gegenüber den Beschäftigten.

Veränderung ist nötig!

Redaktion kann nur mir Journalismus und Ideen punkten
Veränderung ist nötig, will man als Medienhaus überleben, wollen Journalisten ihren Beruf ausüben. Darin bestand und besteht für uns kein Zweifel. Wenn Journalismus eine Perspektive haben soll, muss man mit seinen Marken zw. Produkten dabei sein. Wenn man bedenkt, wie schnelllebig Veränderungen im digitalen Zeitalter sind, ist Tempo etwas, was gefordert ist. Heute ist es längst falsch, alleine von der Zusammenführung von Print und Online zu reden. Heute müssten gewaltige Ressourcen in die mobile Strategie gesteckt werden. DuMont ist hier noch in einer eher alten Zeit – aus Sicht der Herausforderungen des Marktes und seiner Veränderungen. Die Redaktion kann nur Punkte mit Journalismus machen. Dazu braucht man ein Team, gehört die eigene Glaubwürdigkeit, um neue Ideen für eine veränderte Medienwelt zu erschließen. Genau daran legt man Hand an und macht das Gegenteil von dem, wovon man redet. Das wird nicht funktionieren.

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