MOPO schon wieder verkauft

Die amerikanisch-kanadischen Fonds (VSS) bzw. Anleger (CPP und NYL) haben sich ihre Anteile an der Gruppe MOPO und Berliner Verlag (BV Deutsche Zeitungsholding) versilbern lassen. Die ehemalige Minderheitengesellschaft Mecom Group plc. unter der Führung von David Montgomery übernimmt 75 Prozent und verfügt dann über 90 % der Anteile. Die restlichen 10 Prozent sollen auch übernommen werden. Das Konsortium um erhält 159 Mio. € und wird im Gegenzug Aktionär bei der Mecom Group plc. Dem Vertrag muss noch das Bundeskartellamt zustimmen.

Bis Mitte April soll der Kauf rechtskräftig werden. Die BV Deutsche Zeitungsholding wird durch diese Veränderung ein Teil der Mecom Mediengruppe. Sie besitzt Zeitungen in den Niederlanden, Norwegen, Dänemark, Polen und der Ukraine. Als Betriebsrat wiederholen wir unsere Position anlässlich des Verkaufs im Januar 2006 an VSS/Mecom: Die Mannschaft der MOPO ist selbstbewusst und wir schauen optimistisch in die Zukunft. Die Sicherung der Arbeitnehmerrechte steht für den Betriebsrat im Mittelpunkt, daran wird sich auch künftig nichts ändern. Der klassische Finanzinvestor/Coupon-Schneider bei Mecom, will an der Kurssteigerung der Aktien von Mecom verdienen, nicht aber unmittelbar mehr an dem Verkauf der MOPO.

Was heißt dieser Wechsel für die MOPO?
Man muss davon ausgehen, dass die bisherige Geschäftsstrategie, hier insbesondere die umsatzgetriebene Entwicklung, auch unter den neuen Bedingungen fortgesetzt werden soll. Für 2007 ist das Ziel der Gesellschafter, das Betriebsergebnis (EBITDA) mehr als zu verdoppeln. Bildlich: aus 1 Million sollen 2 Millionen plus X werden. Die gegenwärtige Erhöhung des Copy-Preis sowie ein geplantes boomendes Anzeigengeschäft und Nebengeschäfte sollen eine Umsatzsteigerung bringen, die sich auf das Ergebnis niederschlagen sollen. Dazu wird auch weiterhin der Kurs der Kostenoptimierung gehören. Die Einführung eines neuen Redaktionssystems (noch kein Termin) soll Arbeitsplätze kosten (Archiv, Belichtungssteuerung, Layout, Korrektur), also Personalkosten reduzieren. Mit dem Redaktionssystem sollen Kosten für die Mantelproduktion im KURIER (zwei Layouter-Stellen) abgebaut werden, so dass die bisher ca. 100.000 € von Hamburg nach Berlin nicht mehr fließen. Der neue Gesellschafter Mecom hat diese Grundstrategie abgezeichnet und es ist nicht davon auszugehen, dass sich hieran wesentliches ändert. Einzelne Teilprojekte in diesem Wachstumskurs wird man unter dem neuen Alt-Gesellschafter sicher genauer angucken. Das dürfte auch die Strategie der Sonntagszeitung in Hamburg und Berlin betreffen. Die MOPO am Sonntag ist nicht zu letzt durch das große Engagement ein Auflagenerfolg. Die wirtschaftliche Perspektive steht noch nicht. Äußerungen von BV Deutsche Zeitungsgesellschafts- Geschäftsführer Peter Skulimma kann man so interpretieren, dass man auch die Aktivität in Hamburg überprüft.

Bestandteil einer internationalen Mediengruppe – Folgen für die MOPO?
In der Pressemitteilung wird Peter Skulimma zitiert: „Die Übernahme der Mehrheit durch Mecom bedeutet zuallererst Kontinuität für unsere weitere Entwicklung. Darüber hinaus eröffnen sich uns hervorragende Chancen und Möglichkeiten, von den Potenzialen und Erfahrungen der europäischen Mecom Mediengruppe zu profitieren.“ Die Worte, dass wir uns alle überraschen lassen sollen, kennen wir von ihm aus der Vergangenheit. Die Mantellieferung ist eine diese weniger gelungenen Synergien der Berliner Geschäftspläne. Die Sache selber ist falsch. Diese Idee hat leider dazu geführt, dass die Spannungen zwischen zwei Redaktionen geschürt worden sind und es keine ernsthafte Debatte um journalistische Qualität, und damit gegenseitige Bereichung, gibt.

Kleiner Rückblick – Der sechste Verkauf!
Nach dem Einstellungsbeschluss der SPD vor fast genau 32 Jahren, ist dies der sechste Verkauf der MOPO. Die SPD verkaufte erst mehrheitlich, dann alles an die Schweizer Gebrüder Greif, die das Ergebnis weiter in den Keller fuhren, bares aber über die Schweizer Grenze schafften. 1986 übernahm G+J unter ihrem Vorstandsvorsitzenden Gerd Schulte-Hillen die MOPO. Überregional sollten wir werden, mit einer Sonntagszeitung. Die ständigen Innovationen haben die Schulden der MOPO nur erhöht und nach jedem Führungswechsel gab es eine Sanierungs- wie Aufbauphase – immer ohne Erfolg. 1999 wurde die Zeitung an Frank Otto und Hans Barlach verkauft. Schnell machten sie das Unternehmen wieder flott. Für Hamburger Marktverhältnisse wurde die MOPO ein profitables Blatt. Ohne Konzernanbindung geht es besser, auch wenn Schulte-Hillen den Kauf der MOPO 1986 gerade damit begründet hatte. Ein Überleben sei nur im Konzernverbund möglich. Der Streit um das weitere Wachstum der MOPO führte 2004 zum Verkauf der Frank Otto-Anteile an Hans Barlach. Dieser verkaufte im Januar 2006 die MOPO an die Gruppe um und Mecom. Jetzt übernimmt uns ein „paneuropäische Zeitungsverleger“. Auch wenn der Verkauf nicht seine Hauptgeschäftsidee ist, sicher ist, dass wir auch weiterhin im Planspiel der Verlagsgruppen und deren Strategien von Verschiebungen und damit Verkauf bleiben. Wir sind und bleiben als kleine MOPO mitten drin. Wer hätte das gedacht!

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