Kundgebung zur Erinnerung an Zwangsarbeit vor der Sternwoll-Spinnerei

Am 3. Mai 2013 trafen sich 150 Teilnehmer/innen vor der Hamburger Morgenpost, um die Wandskulptur zur Erinnerung an Zwangsarbeit der interessierten Öffentlichkeit zu übergeben. Kulturstaatsrat Dr. Hill betonte die Bedeutung von Erinnerungsorten. Pastor Matthias Kaiser betonte die Wichtigkeit von Zivilcourage. Nils Hollmann von Hollmann Partner unterstricht ihre Bereitschaft, solche Initiative zu unterstützen. Ich verwies auf die Rolle von Betriebsräten in Gegenwart und Zukunft wie für die Vergangenheit bei den Arbeitsbedingungen hin, denen man sich nicht gleichgültig gegenüber verhalten darf.

Über 1.000 Menschen waren in der Zeit des Hitlerfaschismus von 1941-1945 rund um die Griegstraße (ehemals Brahmsstraße) gezwungen, unter unmenschlichen Bedingungen zu arbeiten. Mit der Erinnerung an diese Schicksale haben sich viele Anwohner und Zeitzeugen von damals bis heute schwer getan.

Die Nazis zwangen Menschen zur Arbeit und setzten Kriegsgefangene und KZ-Insassen zur Zwangsarbeit ein, um die Produktion in Deutschland aufrecht zu halten.

Zwangsarbeit in Hamburg

Im März 1941 waren 8.819 ausländische Frauen und Männer in der Hamburger Kriegswirtschaft eingesetzt. Im August 1941 betrug die Zahl bereits 28.612 und am 30. September 1944 wurden 63.478 Zwangsarbeitskräfte gezählt: 50.656 Männer und 12.822 Frauen. Bis zum 10. Mai 1945 registrierten die Briten 571 Lager mit ausländischen zivilen Arbeitern, Kriegsgefangenen und KZ- Häftlingen allein in Hamburg.

Ausmaß der Zwangsarbeit in Unternehmen im Friesenweg und der Griegstraße

Im Friesenweg und in der Griegstraße waren Zwangsarbeiter in Lagern untergebracht bzw. in umliegenden Firmen beschäftigt.

  • Im Friesenweg 3, den Pharos Feuerstätten waren 55 Zwangsarbeiter tätig.
  • Im Friesenweg 5 gab es Zwangsarbeiter in der Kellram- Käserei, in der Ofterdinger Salatfabrik, der Bartelsen Sohn KG, Hennings Fischkonserven.
  • In der Wilkens Fischräucherei, Jürgen & Westphal und auch der Marzipan Fabrik der Oetker- Werke wurden hunderte Zwangsarbeiter eingesetzt.
  • Auf dem Gelände der Griegstraße 75, der Wollgarnfabrik Tittel & Krüger/ Sternwoll-Spinnerei AG gab das Unternehmen für das Kriegsgefangenen- und Firmenlager 128 weibliche und 96 männliche Personen als Zwangsarbeiter an.
  • Bei der Firma Wiede (W. & M.), Bauhandwerk, in der Griegstraße (ehemals Brahmsstraße) am heutigen Sportplatz waren 450 italienische Bürger zur Zwangsarbeit verpflichtet.Es bestanden strenge Auflagen, ob und wann Lager verlassen werden durften.
  • Kontakte zur deutschen Bevölkerung waren streng reglementiert. Es durften keine Gottesdienste besucht werden und für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel war eine Genehmigung erforderlich. Wurde ein Verhalten als Rebellion oder Spionage ausgelegt, kam es zu Erschießungen durch die Gestapo.

Die Sternwoll-Spinnerei

Das Unternehmen hatte seine Entstehungsgeschichte 1651. Es verarbeitete den Rohstoff Wolle, produziert zunächst Strümpfe. Aus einem Handwerksunternehmen wurde Mitte des 19. Jahrhunderts ein Industrieunternehmen. Ab 1898 produzierte man in Bahrenfeld. Den persönlichen Familieneigentümern folgte in den 1906 Jahren die Übernahme durch die Norddeutsche Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei (Delmenhorst) und die anschließenden Pleite im Ergebnis der Weltwirtschaftskrise 1929. Das Leipziger Wollunternehmen Tittel & Krüger AG übernahm die Sternwoll- Spinnerei. Krise und Faschismus pervertierten die Arbeitsbe- ziehungen: Am Ende stand die Suche nach Umsatz und im Ergebnis die Granatenproduktion unter Einsatz von Zwangsarbeitern für einen mörderischen Krieg.

Nach 1945-48 wieder aufgebaut, wuchs das Geschäft, aber der Welthandel verlagerte die Rohstoffverarbeitung in die Länder der so genannten Dritten Welt. Nach 300 Jahren Unternehmensgeschichte begann in den 1950er Jahren der Niedergang, bis zu Liquidation der Gesellschaft in den 1970er Jahren.

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