FR geht an die FAZ

Zum 1. März 2013 dürfte das Traditionsblatt an seinen bisherigen Konkurrenten, die FAZ gehen. Die Druckerei der FR wird im Laufe des 1. Halbjahrs 2013 komplett vom Markt verschwinden. Von den insgesamt 430 Beschäftigten werden aus der FR-Redaktion nur 30 Kollegen überleben. Die Übernahme bedarf noch der Zustimmung durch das Kartellamt. Der Antrag wurde am 30.01.2013 gestellt. Während für eine kleine Arbeitnehmergruppe eine Zukunft greifbar wird, bleibt den in der insolventen FR-Gesellschaft verbleibenden Beschäftigten des Druck- und Verlagshaus Frankfurt (DuV) der Weg in eine Transfergesellschaft.

Eine bittere Entwicklung um die Zukunftsfähigkeit der Frankfurter Rundschau

Die absehbare Kündigung von 90 Prozent der FR-Belegschaft ist eine bittere Entwicklung. Marktbereinigung geht immer zu Lasten der Arbeitnehmer. Während MDS und die SPD-eigene dd_vg in den vergangenen Jahren die Schuldenübernahme zugesagt hatten, wurde dieser Kurs im 2. Halbjahr 2012 beendet. Vor diesem Hintergrund kam es zum Insolvenzantrag der FR und ihrer Tochterunternehmen. Es gab bei den FR-Gesellschaftern keine Bereitschaft mehr, das Qualitäts-produkt und den Sanierungsprozess fortzuführen. Plötzlich muss man von der SPD-Bundes-Kassenwärtin Barbara Hendricks hören, dass die FR niemals schwarze Zahlen schreiben würde. Bisher hatte man immer mit einem positiven Ausblick auf die FR agiert.

Mit dem Insolvenzantrag änderte sich schlagartig nicht nur die Situation der Arbeitnehmer der FR. Auch begannen die Wettbewerber im überregionalen Zeitungs- und im Druckmarkt, die FR zu zerlegen. Da ist erst mal der begehrte Abonnenten-Stamm, aber auch die Anzeigenumsätze sind von Interesse. Zwischen den überregionalen Zeitungsgruppen soll es eine harte Auseinandersetzung um den Kauf der FR bzw. deren Kunden gegeben haben. Der Insolvenzverwalter hatte zwischen zeitlich davon gesprochen, dass er so eine harte Auseinandersetzung trotz jahrelanger Erfahrung noch nicht erlebt hat. Mit härtesten Bandagen wurde hier um die Übernahme von Marktanteilen gerungen. Von den Interessengruppen FAZ und Axel Springer eingekesselt, dazu noch angetrieben von der Trenn- und Verkaufsabsicht von MDS und dd_vg, wurde die Zukunft der Arbeitnehmer in der FR zerschlagen.

Der Käufer der FR ist der bisherige Wettbewerber

Der Verkauf der FR an die FAZ wird die Zeitungslandschaft im überregionalen Markt und in Frankfurt verändern. Die FAZ-Mediengruppe wird zum Marktführer im regionalen Bereich. Die ihrerseits wird die Synergien zwischen der FR und ihrer Frankfurter Neue Presse (FNP) erschließen, um die FR künftig billig zu produzieren. So werden für die FAZ neue Leser erschlossen, die bisher nur auf die FR gesetzt haben. Das ist auch attraktiv für die Anzeigenkunden. Der Betriebsrat der Frankfurter Rundschau verweist dabei zu Recht auf den Verlust einer wichtigen und vielbeachteten linksliberalen Stimme in der überregionalen Zeitungslandschaft.

ver.di begleitet, aber auch nicht mehr

Im ver.di-Mitgliedernetz habe ich mich zusätzlich mit der Frage auseinandergesetzt, wieso ein durchorganisierte Struktur wie ver.di nicht in der Lage ist, Betroffenen sachgerecht zur Seite zu stehen? Wenn jemand in rechtlichen Schwierigkeiten ist, benötigt er/sie Hilfe. Die geht über die reine Tatsache des Rechtswissen hinaus, üblich ist auch, Betroffenen selber nicht unmittelbar ins Zentrum zu stellen. Es verengt den Blick.  Aus unserer eigenen Bewegung wissen wir, dass Betroffene es schwer haben, alles zu erledigen. Ihnen steht man zur Seite, verständigt sich auf ein Vorgehen, aber es ist ein organisiertes Vorgehen. In der FR hat ver.di sich frühzeitig aus dem Problem der Existenzgefährdung der Arbeitsplätze verpisst. Seit Mai 2012 war die Situation klar, dass es zu einem Trennungsprozess kommt. Die Rangrücktrittserklärung lief nachlessbar für alle Öffentlichkeit bis zum 31.12.2012. Statt aber sich hier sauber und hilfreich zu positionieren, wartet man darauf, dass sich die „Betroffenen“ melden. Gnädigst kommen sie dann an und bieten ihre Hilfe an. Aber immer nur dossiert, nicht zu viel, immer schön das materielle Problem bei den Träger im Betrieb belassen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich dieses Verhalten erleben: Wo ein organisierten Vorgehen erforderlich wäre, überlässt man es der Region oder dem Betrieb. Man muss nur nach Prinovis schauen und andere Tiefdruckbetriebe.

ver.di wird sich nicht ändern, es sind Punkte, die im Leben der Funktionäre eingewebt sind. Vorsicht ist für sie angesagt, wenn man weiß, die Kiste ist nicht zu regulieren. Da gibt es nur blaue Augen. Schade, dass man nicht den Mut hat, mit gewohntem zu brechen.

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