Das wird der größte Stellenabbau in der Redaktionsgeschichte

Die Begründung für den willkürlichen Stellenabbau ist das Projekt der „agilen Redaktion“ und  die Zukunftsfähigkeit der MOPO.  Es ist völlig sinnbefreit, dass man in der Hamburg-Redaktion fünf Stellen abbaut. Es dürfte klar sein, dass die „agile Redaktion“ ein Abbau-Projekt ist und dass nach dem Umzug in die Barnerstraße 14 im Frühjahr 2018  (fast) alle in ihrer journalistischen Arbeit mehr belastet werden.  Warum einem 64-jährigen Kollegen kündigen, so kurz vor dem Renteneintritt und sich auf der Mitarbeiterversammlung hinzustellen und auf eine gütliche Regelung zu hoffen? Das ist einfach respektlos.

Der Betriebsrat lehnt diese Maßnahmen ab. Sie richten sich gegen die Redaktion und den Verlag, sie gefährden die Attraktivität der MOPO für unsere Leser und sie sind der Ausdruck einer Krisen-Stimmung. Schon wieder werden uns diese Pläne mit der „digitalen Zukunft“ verkauft. Doch diese „digitale Zukunft“ hat das Unternehmen seit Jahren verschlafen und verschleppt. Und jetzt ist es ein Ablenkungsmanöver. Denn darum geht es: Arbeitsplätze abbauen und Kosten ohne irgendwelche Rücksicht auf die Folgen einsparen. Die Belegschaft hat kein Vertrauen in die Geschäftsleitung.  Dass die Chefredaktion in der Vergangenheit davon gesprochen hat, dass sie um die redaktionellen Belange kämpft, kann man daran nicht erkennen.

Das unter den geplanten Kündigungen vier Betriebsratsmitglieder sind, steht noch auf einem anderen Blatt. Aber es verweist darauf, dass es sein kann, wenn man diese nicht loswerden kann, andere dafür gekündigt werden könnten. 2015 war das Unternehmen bereits schon einmal so vorgegangen.

Die jetzt verkündeten personellen Maßnahmen sind der größte Einschnitt in der Geschichte der MOPO-Redaktion seit ihrer Gründung. Sie stehen für die absolute Perspektivlosigkeit, mit der MOPO-Geschäftsleitung und DuMont-Vorstand seit Jahren auf die schwierige Lage der Medien reagieren: Abbau, Abbau, Abbau.

Die strukturellen Maßnahmen sollen nach Darstellung von DuMont eine gleichberechtigte Produktion von Print und Online herstellen und den Weg weiter in die digitale Zukunft führen. In Wirklichkeit wird die Zeitungsproduktion angespannter werden durch den dramatischen Personalabbau. Das heute angekündigte neue Produktionssystem steht noch nicht, ist gerade in der Entwicklungsphase. Für die Leser und Käufer sind die Folgen sicher deutlich spürbar: Ein geringeres publizistisches Angebot, schlechtere journalistische Qualität und eine Reduzierung des Seitenumfangs der Zeitung.

Seit Monaten wurde die Belegschaft von der Unternehmensleitung an der Nase herumgeführt. Statt in einer Umbruchsituation die Redaktion zu beteiligen, wurden alle Maßnahmen hinter verschlossenen Türen beraten. Der Grund ist klar: Es geht um einen Kahlschlag – und nicht um ein kollegiales Vorgehen und Gespräche mit der Redaktion. Doch es gibt zu dieser Beteiligung keine Alternative in solchen Umbruchszeiten. Ein reiner Abbau schwächt journalistisch Print und Online. Mit weniger Redakteuren wird man keine bessere Leistung anbieten können. Die aktuellen Erfahrungen der Berliner Kollegen bei der Produktion von Kurier und berliner-kurier.de verweisen darauf, dass alle mehr belastet werden. Ehemalige MOPO-Redakteure werden für Berlin wieder reingeholt! Wir sind froh, dass es bei mopo.de eine engagierte Redaktion gibt, die mit ihrem Einsatz zu den großen Zugriffen im Web geführt hat.

Das Vertrauen in die Geschäftsleitung in der MOPO ist u.E. sehr gering. Mitte Dezember 2016 dementiert man vor versammelter Mannschaft einen Umzug, Anfang März 2017 gibt man die Kündigung des Mietvertrages bekannt. So kann man mit den Kollegen nicht umgehen. Jetzt gibt es ein neues Mietobjekt, aber man schweigt dazu, weil der Mietvertrag noch nicht unterschrieben ist. Dabei wird schon munter geplant, wie die neuen Räumlichkeiten aussehen sollen und wer wo sitzen soll. Gerade in einem Medienunternehmen gehört Kommunikation und Information zum täglichen A und O. Nur das außerordentliche Engagement aller Beschäftigten hält heute die MOPO-Mannschaft noch zusammen.

Die wirtschaftliche Lage der MOPO war 2016 angespannt, aber nicht rot. Wie 2015 war der Jahresabschluss auch 2016 „schwarz“. Der DuMont Vorstand sprach erst kürzlich von einem positiven Gesamtergebnis der MOPO. Wir sehen die Risiken bei der Umsatzentwicklung und die entsprechenden Rückgänge. Aber wer sich z.B. nicht angemessen um die Auflage kümmert, trägt die Mitverantwortung für den Rückgang des Vertriebsumsatzes erstmalig in den vergangenen zehn Jahren. Die Auflage und damit der Vertriebsumsatz machen an die 65 Prozent unseres Umsatzes aus. Hier Rückgänge in den Griff zu bekommen, ist eine zentrale Aufgabe. Die Auflage – das sind vor allem unserer Leserbeziehungen, die man sichern muss. Das geht nur über Produktqualität. Das digitale Geschäft wächst und zu Recht ist man in der Redaktion und im Verkauf stolz auf diese Online-Zahlen. Da sie aber noch nicht das Geschäft tragen, bedarf es einer ernsthaften Doppelstrategie: Dem weiteren Ausbau von Online, mehr Inhalte, neue Kundenbeziehungen. Vertrieb muss Chefsache sein.

Der Betriebsrat unterstützt die Linie eines PersonalUMBAUs. Aber nicht den Abbau. Wir stehen für eine Altersteilzeit und für Abfindungsreglungen, um ein freiwilliges Ausscheiden zu ermöglichen. Verhandlungen darüber hat die Geschäftsleitung abgelehnt. Die Altersteilzeit-Verhandlungen wurden verzögert – und zum Schluss kam dann noch ein Täuschungsmanöver. Mit dieser Verweigerungshaltung hat die Geschäftsleitung eine sozialverträgliche Lösung behindert. Sie lehnt ein solches rücksichtsvolles Vorgehen ab. Ein einmaliger Vorgang: Der Betriebsrat will den Umbau gestalten, die Geschäftsleitung verweigert sich diesem Prozess.

Gemeinsam mit den Gewerkschaften ver.di und DJV wird sich der Betriebsrat für die redaktionellen Arbeitsplätze und die redaktionellen Interessen einsetzen. Uns geht es um Umbau statt Abbau. Um Transparenz und Beteiligung und um Potenzialerschließung der Redaktion für eine echte digitale Transformation.

Wir setzen weiterhin auf eine Redaktion, die ihren Job ernst nimmt, weil es um die Arbeitsplätze geht, weil es um die künftigen Bedingungen bei der Arbeit geht und weil es um die Rolle der Medien in der digitalen Zukunft geht. Gerade in Zeiten von „Fake News“ oder „Content Marketing“ ist es der Job  der Redaktion, den Lesern komplizierte Dinge leicht verständlich näher zu bringen. Investiert in die MOPO und in ihre Qualität – und damit auch in ihre Glaubwürdigkeit und Leserbindung. „Denn Qualität ist das Einzige, was letzten Endes zählt” (Alfred Neven DuMont).

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