Damals, 1986

Erinnern kann ich mich noch: 1986 kaufte Gruner+Jahr die MOPO und wir waren froh, dass das Chaos ein Ende fand. Es gab keine Konstante mehr im Arbeitsablauf. Jeden Tag sah ich, wie die Schulden bei der BfG anstiegen. Für meine Vorstellung war der zweistellige Millionen-Betrag gewaltig. Noch größer waren meine Augen, als nach der Übernahme das Konto von einem auf den anderen Tag ausgeglichen wurde. Bis dahin hatte ich einen solchen Betrag noch nicht als Einzelposten gebucht. G+J grämte sich später, die MOPO billig gekauft zu haben. Den Betrag zur Entschuldung haben sie dabei nicht kommuniziert. 

Nach der Ankündigung, die MOPO zu kaufen, hatte ich im Abschluss an eine Betriebsversammlung der Vorschlag im Kreis der Gewerkschafter gemacht, dass wir ein Flugblatt zu veröffentlichen. Der teilnehmende Gewerkschaftssekretär meinte, das es nicht nötig sei, sich zu erklären. Mein Druck führte dazu, dass es dann noch eine Erklärung gab, die ich jetzt in meinen Unterlagen gefunden hatte. Es ging darum, das nicht wir als betriebliche Akteure etwas sagten. Einige Gedanken von mir fanden sich in dem Text wieder. Hier der Wortlaut:

VORSTAND DER MEDIENGEWERKSCHAFT BEGRÜSST SICHERUNG DER MOPO

Zur angekündigten Ãœbernahme der Hamburger Morgenpost durch das Verlagshaus Gruner & Jahr nimmt der Landesbezirksvorstand Nordmark der IG Medien wie folgt Stellung:

Die Übernahme dieses traditionsreichen Hamburger Zeitungsverlages durch ein wirtschaftlich starkes Medienunternehmen wird als begrüßenswerte Sicherung des Erhalts der Morgenpost bewertet.

Vom Verlag Gruner & Jahr wird erwartet, dass auch die Arbeitsplätze der bisher bei der Morgenpost Beschäftigten gesichert werden.

Der völligen Monopolisierung des Hamburger Zeitungsmarktes ist damit vorerst Einhalt geboten worden. Es wird erwartet, daß die Ankündigung des Hauses Gruner & Jahr, durch die Übernahme der Morgenpost die Meinungsvielfalt in Hamburg zu sichern, tatkräftig umgesetzt wird. Der neue Eigentümer sollte seine Absicht, mit dem Erwerb der Morgenpost eine liberale Stimme in Hamburg zu erhalten, auch so verstehen, daß der Redaktion weitgehende Entfaltungsmöglichkeit zur Erreichung dieses Zieles gewährt wird. Es Wäre wünschenswert, wenn durch die Veränderung auf dem Hamburger Pressemarkt das recht einseitige Spektrum auch im Sinne einer politischen Meinungsvielfalt belebt würde.

Bedenken äußert der Vorstand der Mediengewerkschaft darüber, daß die Übernahme erneut einen Schritt zur Konzentration der Medienlandschaft in nur wenigen Großunternehmen darstellt.

Hamburg, den 26. August 1986

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