Barlach/Depenbrock verkaufen am VSS

Die Katze ist vergangenen Freitag aus dem Sack gesprungen. Trotz aller Dementis seit November 2005 haben sich Hans Barlach und Josef Depenbrock als Gesellschafter der MOPO verabschiedet und ihre Anteile verkauft. Künftig wird die BV Zeitungsholding alle Gesellschafteranteile an der Hamburger Morgenpost halten. Hans Barlach und Josef Depenbrock haben entsprechend ihren Anteilen (90/10) wohl einen zweistelligen Millionen Betrag für den Verkauf der MOPO erhalten und steigen bei der erwerbenden Gesellschaft mit Anteilen ein. Die neuen Erwerber sind vor allem die beiden Finanzinvestoren um die Gruppen Veronis Suhler Stevenson (VSS) und Mecom, wofür der Namen David Montgomery steht. Die Mecom-Gruppe hält nach Medieninformationen aber nur 15 %! Der Kauf steht unter dem Vorbehalt des Kartellamtes.

Verhältnis zu den neuen Erwerbern
Der Betriebsrat hat sich seit Ende 2005 mit dem Verkauf auseinandergesetzt. Mit dem BR-Info vom 12.01.2006 hat er versucht, eine erste Positionierung vorzunehmen. Frühzeitig hat man sich entschieden, sich den Realitäten des Verkaufs zustellen. Bereits beim Verkauf G+J an Frank Otto/Hans Barlach wurde so gehandelt. Jeder weiß , dass mit dem Verkauf Gefahren bestehen. Es wäre sträflich, dies zu übersehen. Es ist nicht der erste Verkauf und man kann die Rahmenbedingungen in Hamburg nicht ausblenden. Gespannt muss man sein, was die Erwerber vorhaben.  Geht man den Weg der Täuschung, muss man sicher mit Reaktionen rechnen. Einen Abbau von Arbeitsplätzen dürfte der Betriebsrat sich nicht hinnehmen.

Was heißt der Wechsel für meinen Arbeitsplatz?
Bei einem Verkauf rechnet jeder mit Veränderungen. Das war bisher immer auch der Fall in der MOPO. Seriös kann man heute nicht sagen, was morgen passiert. Man kann nur spekulieren. Aus unserer Sicht sollte man einige Aspekte dabei berücksichtigen, die wir im Folgenden darstellen möchten:

Gesamtstrategie der Erwerber
Es muss eine durchdachte Geschäftsstrategie seitens der Gesellschafter geben. Neben der Geschäftsstrategie müssen die neuen Erwerber ihre Gesamtstrategie unter Einschluss der MOPO konzipieren. Im Moment wird dies nur rudimentär vorliegen, sprich aus den Infos durch Hans Barlach und Josef Depenbrock in den Verkaufsgesprächen sowie den Markterfahrungen.

Berliner Baustelle in den Griff bekommen
Faktisch ist es so, dass in Berlin Arbeitsgruppen gebildet wurden, um für die Berliner Objekte Vorschläge zum Etat mit auszuarbeiten. In diesen Tagen soll es eine Aufsichts-ratsitzung geben. Diese Etats in Berlin werden von den Beteiligten alle entwickelt, ohne den MOPO-Kauf im Kopf zu haben.

MOPO Geschäftsjahr 2005/2006 ohne große Veränderungen

Man sollte im Moment davon ausgehen, dass das laufende Geschäftsjahr noch durch das Herangehen von Hans Barlach und Josef Depenbrock bestimmt wird. Da im Frühjahr die Etatplanung für das neue Geschäftsjahr beginnt, kann man davon ausgehen, dass Josef Depenbrock einen Etat erarbeiten und vorstellen muss, der den grundlegenden Über-legungen der Erwerber entspricht. Es kann sein, dass diese noch nicht ab dem neuen Geschäftsjahr der MOPO (1.7.2006) durch sind, so dass man eine grundlegende Strategie zu einem späteren Zeitpunkt in den Etat gießt.

Mit neuem Etat 2006/2007 kann es zu Veränderungen kommen
Es ist nicht auszuschließen, dass man das Geschäftsjahr der MOPO (1.7. bis 30.6.) dem des Berliner Verlages anpasst (1.1. bis 31.12.), so dass ab diesem Zeitpunkt (1.1.2007) eine Gesamtstrategie verfolgt werden könnte. Für deren Umsetzung wäre dann der MOPO-Geschäftsführer verantwortlich.

Wie geht es jetzt weiter?
Die BV Zeitungsholding hat die MOPO erworben. Das Kartellamt muss dem Kauf zustimmen, vorher wird er nicht wirksam. Mit einer Entscheidung wird bis Ende Februar gerechnet. Wir gehen von einem Ja zur Übernahme aus. Die BV Zeitungsholding tritt als Gesell-schafterin in die bestehende Morgenpost Verlag GmbH ein. Natürlich wird sie eigene Business-pläne haben und nach dem Erwerb prüfen, was davon realisierbar ist. Wenn man die Geschäftsstrategie der Zukunft formuliert hat und die Rechnungen für die MOPO bestätigt, kann Gefahr drohen. Dies hängt von der Strategie ab, ob man auf die Vollredaktion oder einen lokalen Ableger setzt, das Überregionale von anderen bezieht. Ob es bei einem eigenen Vertrieb bzw. den anderen Verlagsabteilungen bleibt oder man auf Synergie setzt. Die neuen Inhaber werden sich und uns eine gewisse Zeit geben. Es hängt mit von unserem Selbstbewusstsein und Auftreten ab, was wie abläuft.

MOPO muss Vollredaktion bleiben
Die MOPO ist nicht nur in dem harten Zeitungsmarkt Hamburg ein Unikat. Seit 1986 ist sie gewissermaßen die erste Tabloid-Zeitung – heute mit redaktionellem und wirtschaftlichem Erfolg. „Wir machen keine Politik. Wir berichten über Sie“ lautet ein Werbeslogan der MOPO. Die MOPO muss Vollredaktion bleiben. Der Versuch, dass die Hamburger Morgenpost ihre überregionalen Teile für die Politik, Nachrichten und Sport aus Berlin bezogen hat, ist zu Zeiten der G+J-Redaktionsgemeinschaft (Berliner Kurier, Express und MOPO) kläglich gescheitert.

Nur mit der Mannschaft
Die MOPO ist eine Zeitung für die Hamburger, wie sie Arbeitsplatz für die Beschäftigten ist. Diese Mannschaft hat den wirtschaftlichen Erfolg der MOPO der letzten Jahre gewährleistet. Ohne die Leistung der Beschäftigten in Verlag und Redaktion wären diese Ergebnisse nicht möglich gewesen. Die Sicherheit der Arbeitsplätze zu gewähren, gehört zu den Grundsätzen in seinem Herangehen an die Zukunft der Zeitung und dem Herangehen an den Erwerber. Zu Beginn werden Beruhigungspillen verstreut. Wenn die Pläne konkret werden, besteht die Gefahr, dass geholzt wird. So geschehen nach dem Kauf der Schweriner Volkszeitung durch die s:hz in Flensburg. „Machen Sie sich keine Sorgen, wir ändern nichts“ – und ein halbes Jahr später erhielt ein Drittel der Beschäftigten die Kündigung. Bei TV TODAY wurde ähnlich argumentiert. Wer dem Ansehen der MOPO schadet, muss damit rechnen, dass er auf Gegendruck stößt.

Tarifliche Rahmenbedingungen sichern
Der Haustarifvertrag gilt bis zum 31.3.2008. Eine neue Gesellschaft ist nicht geplant, so dass die festgeschriebenen Rahmenbedingungen gesichert sind. Im Sanierungsfall neigen Erwerber zur Absicht, eine neue Gesellschaft zu gründen, um vertragliche Altlasten schneller loswerden zu können. Wer einen anderen gesellschaftsrechtlichen Weg geht, erklärt, dass er den Erfolg der MOPO in Frage stellt und Schlechtes mit den Arbeitnehmern vorhat. In diesem Fall ist Widerstand gegen solche Pläne angesagt. Nach dem Kauf der MOPO durch Frank Otto und Hans Barlach und deren Austritt aus dem Arbeitgeberverband wurde ein Haustarifvertrag durchgesetzt. Diesen zu sichern ist Aufgabe der Gewerkschaften bzw. ihrer Mitglieder. Tarifverträge werden durch Gewerkschaften abge-schlossen. Ihre Mitglieder kommen in den Genuss der Vorteile des Tarifvertrages wie sie im Kündigungsfall auch den Rechts-schutz nutzen könnten.

Hamburger Verhältnisse!
Jeder Käufer der MOPO musste sich der Realität am Zeitungsmarkt in Hamburg stellen. G+J wollte aus uns eine überregionale Boulevard-Zeitung machen, später sollte Hamburg um eine Sonntagszeitung ergänzt werden. Die Wirklichkeit: Die MOPO ist die dritte Zeitung am Markt. BILD und HAMBURGER ABENDBLATT beherrschen den Anzeigen- und Vertriebsmarkt. Mit  111.025 Käufern (IVW IV/2005) und 320 000 Lesern (MA II/2005) besteht eine stabile Basis, die aber schnell gefährdet werden kann, wenn man Fehler im Blatt und der Außendarstellung macht.

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