Anpassung

Seit gut 20 Jahren beschäftigte ich mich mit Fragen der Formierung von Interessenvertretungen in größeren Medienunternehmen auf nationaler und internationaler Ebene. Irgendwann 2007 endete das, da ich ehrenamtlicher Funktionär in ver.di im Fachbereich Medien auch auf Bundesebene wurde. Damit endete in Tagen das andere Geschäft und alle zu dem Zeitpunkt angeschobenen internationalen und nationalen Prozesse sehr schnell. Die Dynamik, die Dinge weiter zu treiben, war und ist in diesen Strukturen nicht möglich. Sicher hat das etwas mit den handelnden Personen zu tun, die kontrollieren und verhindern wollen. Tempo, dass stößt sich mit der hauptamtlichen Struktur. Dies ist nach meiner Haltung grundsätzliches Versagen, da diese Strukturen machtpolitisch ausgerichtet sind und in sich nicht demokratisch. Die Phrase aus diesen Reihen, „Wir sind die Gewerkschaft“, ist deren Schlachtruf, um sich der Verantwortung zu entziehen.

Einst reiste ich noch Budapest, Prag, Warschau, Bratislava, Paris, London, Brüssel, Luxemburg, Basel, Zürich, Genf u.a. Orte, um EBR-Gründungen zu treiben. In der Bundesrepublik waren diverse Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchverlagsgruppen. Einige Monate war es mir sogar gelungen, in die nationalen und internationalen Strukturen eines der größten Medienunternehmen auf Arbeitnehmerseite zu verankern. Ich vergesse nicht, wie das alles endete, weil ein wichtiger Gewerkschaftsfunktionär von Verdi sagte, dass er es besser kann – und versenkte. Damals begriff ich, dass es auch etwas mit Potential zu tun hat. Wenn man machtpolitisch denkt, fällt es einem schwer, mit anderen auf gleiche Höhe zu agieren. Heute weiß ich aber auch, dass die Jungs einfach nicht die Erfahrung hatten – und haben. Sie waren kleine Leute in kleinen Strukturen, dass prägt sie. In der großen Organisationen lernen sie das anpassen und auch die Umwege.

Aktuell holen mich einige der alten Prozesse wieder ein, ich hatte sie ganz vergessen. Da sind sie wieder in meinem Kopf, die Verhinderer/in und Dummköpfe. Ihre fehlerhafte Haltung wirkt sich in den Prozessen bis heute aus. Darüber kann ich heute lachen. Wie damals machen sie es falsch, dachte ich. Doch dann sah ich, dass es etwas mit ihrer gefühlten Wichtigkeit in ihren Denkstrukturen zu tun hat. Sie agieren exakt wie vor 10 oder 15 Jahren, auch wenn es nicht die gleichen Personen sind. Wo es die gleichen Personen sind, agieren sie so falsch wie damals. Wo ich die Prozesse getrieben habe oder dachte zu treiben, war ich natürlich emotional bei der Sache. Heute ist das anders. Sie haben alles zerbröselt oder zerstört und werden auch heute keine Antworten auf die Veränderungen finden, die wir damals sich – anders – ökonomisch vollziehen.

Der Ansatz, dass man die Prozesse nur moderieren muss, gefällt mir heute – wie auch damals. Wann macht man Tempo, wann wartet man, wie lange wartet man, wann ist es vorbei? Zu dem „moderieren“ gehört eine Einschätzung oder netter formuliert, eine Haltung, die man haben muss, um auf diese Fragen eine Antwort geben zu können. Die anderen sind gescheitert, empfinden es aber gar nicht so. In ihrer Welt sind sie, die sich anbieten und helfen, wenn es gefragt ist. Wird gefragt, sagen Sie was. Ansonsten haben sie so viel zu tun, dass sie eben auch noch in anderen Bereichen auf Fragen Antworten geben wollen. Für mich war es damals ein Scheitern, da sie nicht wollten oder meinten, sie wissen besser wie es geht. Team, ne das kennen sie nicht, es sei denn als Phrase.

Heute stören mich diese Dummköpfe nicht mehr. Sie bewegen sich in ihrem Rhythmus, in ihren Strukturen, ihrem Denk- und Verhaltensweisen – ich kann es nicht ändern. Wenn sich unsere Kommunikation trifft haben wir durchaus kulturelle Unterschiede, aber damit habe ich gelernt zu leben. Hauptsache, ich habe wenig mit Ihnen zu tun. Gibt es einen Prozess, der eine eigene Trägerschaft, ist es für mich wieder spannend. Und dass passiert eben immer wieder.

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